BRICS-Währung Stand 2026

In den vergangenen Jahren hat die BRICS-Allianz, bestehend aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, die Fantasien vieler Geopolitiker und Finanzexperten mit der Vorstellung einer gemeinsamen Währung befeuert. Die Vision einer einheitlichen Währung, die die Abhängigkeit von westlichen Finanzsystemen reduzieren sollte, war eine heiß diskutierte Thematik. Doch im Jahr 2026 markierte der XVIII. BRICS-Gipfel in Neu-Delhi einen entscheidenden Wendepunkt. Die Pläne für eine supranationale BRICS-Währung wurden offiziell verworfen, und der Fokus schwenkte stattdessen auf eine pragmaticere, technisch orientierte Strategie.
Die Rolle Indiens und die Abkehr von einer gemeinsamen Währung
Indien, als aktueller Vorsitzender und wirtschaftliches Gewicht im Block, spielte eine zentrale Rolle in dieser Entscheidung. Offizielle Vertreter des indischen Außenministeriums (MEA) bestätigten, dass es „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ keinen Vorschlag für eine einheitliche Währung gibt. Indien betrachtet BRICS primär als technisches Zahlungsproblem und nicht als geopolitisches Projekt zur sofortigen Ablösung des US-Dollars. Dies ist strategisch klug, da ein Handelsdefizit Indiens von 226 Milliarden US-Dollar gegenüber anderen BRICS-Mitgliedern lokale Währungssiedlungen unwirtschaftlich macht. Überschüsse, wie die angesammelten Rupie-Guthaben Russlands, können ohne tiefe, liquide Finanzmärkte nicht einfach umgeschichtet werden.
Pragmatische Strategie und technische Lösungen
Stattdessen setzt der Block auf eine komplexe Strategie der lokalen Währungsabwicklung und technischer Interoperabilität. Die BRICS Payment Task Force (BPTF) arbeitet an der Vernetzung nationaler Echtzeit-Zahlsysteme über die Plattform „BRICS Pay“. Ziel ist es, Systeme wie Indiens UPI, Brasiliens Pix, Chinas CIPS und Russlands SPFS zu verbinden, was grenzüberschreitende Zahlungen in lokalen Währungen ohne Umweg über das westlich dominierte SWIFT-System ermöglicht. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Verknüpfung von Zentralbank-Digitalwährungen (CBDCs). Indien treibt hier Initiativen voran, um digitale Währungen mit Partnern wie Thailand, Malaysia und Vietnam zu vernetzen, was die Effizienz steigert und regulatorische Hürden senkt.
Die „New Delhi Declaration“ vom September 2026 bekräftigt diese Ausrichtung: Es geht um finanzielle Zusammenarbeit und Handel, nicht um eine neue BRICS-Banknote oder einen -Coin.
Spekulative Märkte und Gerüchte
Trotz der klaren Absage an eine Einheitswährung kursieren im Markt weiterhin spekulative Narrative, die sorgfältig von Fakten getrennt werden müssen. Besonders das Projekt „The Unit“ wird oft falsch dargestellt. Es handelt sich hierbei um ein Pilotprojekt eines russischen Instituts, das auf der Cardano-Blockchain operiert und zu 40 % durch physisches Gold sowie zu 60 % durch einen Korb aus BRICS-Währungen gedeckt sein soll. Dies ist keine offizielle gemeinsame Währung der BRICS-Staaten, sondern ein experimenteller Settlement-Layer für den Großhandel. Die Behauptung, diese Währung sei bereits im Oktober 2025 vollständig eingeführt worden und ersetze den Dollar, ist eine Übertreibung, die von Quellen mit kommerziellem Interesse an Gold- oder Krypto-Investments geschürt wird. Faktisch gibt es keine physischen oder digitalen Einheiten einer solchen Währung für den privaten Gebrauch, und kein formaler Beschluss der BRICS-Staaten liegt vor.
De-Dollarisierung und die Rolle des US-Dollars
Die De-Dollarisierung schreitet voran, aber sie ist graduell und strukturell begrenzt. Über 67 % des intra-bloc Handels werden bereits in lokalen Währungen abgewickelt, und der Anteil des US-Dollars an globalen Reserven ist auf ein historisches Tief von etwa 56,3 % gefallen. Zentralbanken kaufen massiv Gold – im Jahr 2025 waren es rekordverdächtige 1.237 Tonnen. Doch die Dominanz des Dollars bleibt unangefochten: Mit ca. 88 % dominiert er weiterhin den globalen Devisenumsatz. Die USA verfügen zudem mit ca. 8.150 Tonnen Goldreserven deutlich mehr als alle BRICS-Staaten zusammen, was eine direkte goldgedeckte Währung aktuell unrealistisch macht. Eine vollständige Ablösung des Dollars ist daher kein kurzfristiges Szenario, sondern ein langwieriger Prozess der multipolaren Finanzarchitektur.
Internationale Widersprüche innerhalb der BRICS
Kritisch zu betrachten sind die internen Widersprüche der Allianz. BRICS besteht aus elf Vollmitgliedern und einer Gruppe von Partnerländern, die wirtschaftlich und politisch hochgradig heterogen sind. China und Indien kontrollieren zusammen rund 69,2 % des BRICS-BIP, was jede verbindliche gemeinsame Regel praktisch zu einer deutsch-chinesischen Diktatur machen würde – ein Szenario, das Indien kategorisch ablehnt. Zudem gibt es tiefe geopolitische Spaltungen, etwa zwischen Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten oder unterschiedliche Strategien Indiens, das BRICS zur strategischen Autonomie nutzt, während es gleichzeitig enge Bande zu den USA pflegt. Das Erfordernis einstimmiger Beschlüsse führt oft zu „Lowest-Common-Denominator“-Erklärungen, die keine konkreten institutionellen Fortschritte jenseits der Neuen Entwicklungsbank (NDB) ermöglichen.
Zukünftige Pläne und Technologien
Zusammenfassend lässt sich festhalten: BRICS 2026 hat den Weg einer gemeinsamen Währung bewusst verlassen, um politische und wirtschaftliche Hürden zu umgehen. Die Allianz setzt stattdessen auf digitale Infrastruktur, lokale Währungsabwicklung und die schrittweise Erosion der Dollar-Dominanz durch parallele Systeme wie BRICS Pay und mBridge. Dies ist kein Scheitern, sondern eine pragmatische Anpassung an die Realität einer polyzentrischen Weltordnung. Die Angst vor einem sofortigen Zusammenbruch des Dollarsystems ist unbegründet; stattdessen etabliert sich ein neues Gleichgewicht, in dem der Dollar zwar an Reserveschwerpunkt verliert, aber im Transaktionsverkehr weiterhin unersetzlich bleibt. Offene Fragen bleiben bezüglich der langfristigen Stabilität der lokalen Währungskorbs und der regulatorischen Harmonisierung zwischen den hochgradig unterschiedlichen Rechtssystemen der Mitglieder. Die Zukunft liegt nicht in einer neuen Weltwährung, sondern in einem komplexen Geflecht aus nationalen Währungen und interoperablen digitalen Brücken.
— Twight Sterling, Sigil & Spark
